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Texte, Textproben, Wortkunst

1. Reinhardt O. Hahn  "Durch die Jahre"

Durch die Jahre

 

(Januar)

 

Von einer Liebe, die Erfüllung sucht

Hinter dem kältesten Land der Welt wird es noch kälter sein, als es die Pole sind. Noch kälter ist es in der Nähe eines Menschen, der kein Herz mehr für sich hat. Welch eine Kraft muss die Liebe haben, die alles Eis schmelzen lässt.

 

(Februar)

 

Gläserne Kälte, die meinen Leib durchstößt

Das wirkliche Leben wird es sein, was ich nicht ertragen will. Meine Seele sehnt sich nach Blendung. Sie flieht vor dem tristen Tag in ein besser scheinendes Land. Dort angekommen, ahne ich bald mein Scheitern und ich plane ich die Flucht zurück, weil ich mich in der Unerträglichkeit der Wirklichkeit doch sicherer fühle.

 

(März)

 

Ich bin zwei Fische.

Grund und Oberfläche haben sowohl gleichermaßen als auch getrennt in mir ein Zuhause. Enthauptet sorge ich mich um meinen Leib, der nur genießen will, ebenso wie um meinen Verstand, der mitunter meiner leidenden Hülle entfliehen will, weil er Genuss und Laster nicht verträgt

 

(April)

 

Die Knospe ist die Mitte aller Kraft

So wie ein jeder von uns, so sehne auch ich mich heftig nach großen Erfolgen und Höhen. Aber das wahre Erlebnis bin ich selbst. Die Reise geht nach innen, nur dort findet mein großes Erleben statt. Ich knospe auf und teile es allen schillernd mit.

 

(Mai)

 

Es blüht, es blüht

Oft erschüttern mich meine Träume. Ich träume von Liebe und Geborgenheit. Erwache ich, so zerfallen meine Träume wie Blütenblätter im Sturm. Trotz der Angst vor dem Erwachen, lässt mich alles immer wieder träumen.

 

(Juni)

 

Natürlich werde ich wiedergeboren.

Meine Wiedergeburt wird im Juni sein. Eine allmächtige Zeit mit ihrer treibenden Kraft. Zergliedert in unsichtbare Teile werde ich nach meinem Tod darauf warten – ohne von mir zu wissen – wieder ein einheitliches Ganzes zu werden.

 

(Juli)

 

Ich verbrenne in der Zeit

Ich schaue auf den Scheiterhaufen, der meine Erinnerung ist. Diese schmerzliche Erfahrung von sich verlierender Wärme und Nähe. Also vorwärts, den Blick von der Asche in die Zukunft gerichtet.

 

(August)

 

Ein Wunsch fällt vom Nachthimmel

Das Universum ist mein Haus. Darin wohne ich. In ihm denke und fühle ich. Mein Haus spricht mit mir. Ich spüre es mit Freude, ich erfahre es mit Schmerz. Ohne einen Funken Hoffnung habe ich kein Haus.

 

(September)

 

Das Ende aller Sommer

Ein Bild von einem Baum. Ein Bild von einem Fluss. Ein Bild von einem Berg. Ein Bild von der Erde. Ein Bild von Dir. Ein Bild von mir. Ein Bild von der ganzen Welt. Die Welt muss stimmen, egal ob es ihr passt oder nicht.

 

(Oktober)

 

Das stille Farbenfeuerwerk

Mein Verstand wird durch das Farb-Spektrum der Natur verwandelt. Nasses Laub schmiert schillernde Buntheit in meine Gedanken-Welt. Die grelle Reife übertüncht den braunen Moder der Verwesung – noch. Tief in mir grünt und blüht schon die gewaltbereite Kraft, plötzliche Veränderungen zu wollen.

 

(November)

 

Trauer legt Perlen auf welkendes Gras

Das Glück ist in mir. Ich selbst bin das Glück. Glück ist so schwer zu ertragen. Glück kann sogar töten. Ich nehme es hin – das Glück. Ich muss es mir gefallen lassen – das Sterben.

 

(Dezember)

 

Sehnsucht nach Wärme

Ich brenne in der Gegenwart. Die Allmacht der Zeit hält mich gefangen. Der Gegenwart zu entkommen, ist mein ständiges Verlangen. Ich vermute Wärme in einem zukünftigen Ort, der nur Sehnsucht heißen kann.

 

Grenzen leben nur im Verstand der Menschen. In der Natur ist die Grenze das  nach anderen Gesetzen sich Bewegende. Auf und mit diesen Grenzen gehen wir, fahren wir und hoffen auf das Wiedererkennen dessen, was uns vertraut ist. Das könnten wir auch Heimat nennen. Heimat ist so temporär, wie das Individuum selbst. Heimat ist Teil der Identität - das Vertraute eben. Nur die haltlose Masse will permanente Grenzen erzwingen, weil sie ohne Grenzen ihre Identität nicht erkennt oder begreift.

ABER
Es ist so schwer, eine Grenze zu begreifen. Und, wer möchte sich auf das Unbegrenzte einlassen? Allein der Blick zum Himmel bringt schon Furcht, die grenzenlos sein kann. Ist es da nicht besser für den Heimatlosen, für den Wanderer zwischen den „Welten“, nach innen zu schauen? Das ist der Ort, zu dem alles hinführt und weggeht. Also, der Mensch muss seiner Seele, man kann auch sagen, seinen Gefühlen, ein Zuhause anbieten. Die Welt hat nicht viel anzubieten, erkennt man sie nicht, so ist man mit allem unzufrieden, weil man keinen Frieden in sich trägt.

Band III

Kommentare dazu

Reinhardt Cornelius-Hahn

06108 Halle (Saale) 

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Gedanken Essay, Zitate und Notizen für die Romane Bände I - III Titel "Das Bauwerk"

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